Zum 80. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20.01.1942




Der 20. Januar 2022 ist der 80. Jahrestag der sogenannten Wannseekonferenz. An diesem Tag im Jahr 1942 trafen sich 15 hohe NS-Funktionäre im damaligen Gästehaus der SS am Wannsee in Berlin, um über die organisatorische “Endlösung der Judenfrage” zu sprechen.


Unter der Leitung von Reinhard Heydrich, dem Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD), der zum Treffen “mit anschließendem Frühstück” geladen hatte, sollten organisatorische Fragen der Judenvernichtung im Osten besprochen und geklärt werden. Diese lief zu diesem Zeitpunkt bereits, im Zuge des so genannten “Holocaust by bullets” waren seit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Zuge der Aktion Barbarossa hunderttausende deutsche und sowjetische Jüdinnen:Juden ermordet worden (vgl. unseren Artikel zum Massaker von Babyn Jar im September 1941).


Die Judenvernichtung oder der Holocaust wurden bei der Wannseekonferenz also nicht “beschlossen”, wie es manchmal angenommen wird. Vielmehr ging es in der Besprechung um Zuständigkeiten, um bürokratische Fragen und die logistische Koordination der “Endlösung der Judenfrage”, zum Beispiel von Zügen, die für Deportationen in die Vernichtungslager dienten.


In den Dimensionen und der bürokratischen Kaltblütigkeit, mit der man über organisatorische Fragen zu Zwangsdeportationen von 11 Millionnen jüdischer Menschen debattierte, stellt die Wannseekonferenz einen Schlüsselmoment der nationalsozialistischen Judenvernichtung dar und ist ein bis heute erschütterndes Zeugnis für die Ausmaße und Folgen der NS-Terrorherrschaft.


Nach Kriegsende bis 1966 war der historische Ort der Konferenz, die Villa Am Großen Wannsee 56-58 in Berlin, abwechselnd im Besitz der Berliner SPD, die dort für das August-Bebel-Institut eine Bildungs- und Erholungsstätte betrieb, und dem Bezirk Neukölln, der das Haus als Landschulheim nutzte. Seit 1992 ist das Gebäude eine Gedenk- und Bildungsstätte. Die Einrichtung dieser geht zurück auf jahrzehntelange Bemühungen des jüdischen Historikers und Auschwitz-Überlebenden Joseph Wulf, der unmittelbar nach Kriegsende in Polen und Frankreich die NS-Verbrechen erforschte. Seit 1952 lebte und arbeitete er in Berlin und gehört zu den ersten Deutschen, die NS-Forschung betrieben. Dabei stieß er auch auf die Ablehnung der nicht-jüdischen deutschen Historiker:innen. Erst im Jahr 1988 wurde das Haus als Gedenkstätte und Dokumentationszentrum eingerichtet, vier Jahre später wird die heutige Gedenk- und Bildungsstätte eröffnet. Nach Wulf ist die hauseigene Bibliothek in der Gedenkstätte am Wannsee benannt. Er starb im Jahr 1974 und erlebte deren Eröffnung nicht mehr.


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