In Gedenken an Shlomo Lewin und Frida Poeschke



Am 19. Dezember 1980, am Sonntag vor 31 Jahren, wurden der Rabbiner und Verleger Shlomo Lewin (*13.05.1911) und seine Lebensgefährtin Frida Poeschke (*23.05.1921) Opfer eines antisemitischen Mordes. Ein Mitglied der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) erschoss die beiden in ihrem Haus und floh anschließend in den Libanon, wo die in Deutschland verbotene Gruppe einen Neuaufbau plante. Das Urteil und die damit verbundene Einzeltäter-These wird bis heute kontrovers diskutiert.


Erst 1984, vier Jahre nach dem Mord, fand ein Prozess mit zwei Angeklagten statt: Dem Gründer der WSG Karl-Heinz Hoffmann und seiner Lebensgefährtin Franziska Birkmann. Hoffmann wurde zusammen mit Uwe Behrendt die Täterschaft an den zwei Morden vorgeworfen, verurteilt wurde jedoch nur der im Libanon bereits verstorbene Behrendt. Hoffmann und Birkmann sprach das Gericht frei. Bis heute ist nicht klar, was genau in der Nacht geschah, denn die Wiedergabe des Sachverhalts stammt zu großen Teilen von dem Angeklagten Hoffmann, der seine Aussagen im Laufe des Prozess mehrfach änderte um sich selbst zu entlasten. Martina Renner und Sebastian Wehrhahn zeichneten im vergangenen Jahr die Ergebnisse der Ermittlungen, basierend auf den Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy, detailliert nach [1].


Shlomo Lewin, der nach seinem Studium der Religionspädagogik als Lehrer im Saarland tätig war, floh nach der Auflösung jüdischer Schulen durch die Nationalsozialisten und einer kurzen Haft 1935 zuerst nach Frankreich und später nach Palästina. Dort beteiligte er sich am Unabhängigkeitskrieg Israels in einer Einheit der Hagana, einer paramilitärisch-zionistischen Untergrundsarmee, die später in der IDF aufging. Als Lewin 1960 nach Deutschland zurückkehrte, war er vorerst als Verleger tätig. Mit seinem Umzug nach Erlangen und dem Kennenlernen seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke begannen seine Bemühungen einer Normalisierung jüdischen Lebens in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Die beiden setzten sich gemeinsam für eine christlich-jüdische Zusammenarbeit ein. Lewin war als Vorsitzender in der Erlanger jüdischen Kultusgemeinde aktiv. Weiterhin machte der Rabbiner stets auf die wachsende Gefahr des politisch rechten und rechtsextremen Spektrums aufmerksam. Insbesondere die Gründung der Wehrsportgruppe Hoffmann im Erlanger Umland bereitete ihm Sorge, weshalb Lewin auf dem antifaschistischen Protest gegen den von rechtsextremen und Holocaustleugnern veranstalteten “Auschwitz-Kongress” 1977 eine Rede hielt. Durch sein Engagement für jüdisches Leben und gegen einen wieder erstarkenden Neonazismus wurde Shlomo Lewin zum Ziel der Rechtsterroristen. Seine Warnungen bleiben bis heute aktuell.


Lewin widmete sein Leben dem jüdisch-christlichen Dialog sowie dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Wir gedenken der Beiden und machen auf die anhaltende gesellschaftliche Relevanz und Aktualität des Falls aufmerksam.


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