„Chatima tova!“ - "Gutes Eintragen!"


Heute, am Abend des 15. September, beginnt einer der wichtigsten jüdischen religiösen Feiertage: Jom Kippur. Nach jüdischem Glauben soll dieser Tag das Schicksal eines Menschen im neuen Jahr bestimmen. Der Feiertag wird auch als "Tag des Gerichts" oder als "Tag der Vergebung" bezeichnet, denn hier endet für Juden:Jüdinnen die zehntägige Zeit der Reue, die mit Rosh Hashana begonnen hat. Jom Kippur ist ein strenger Fastentag – weder trinken, essen oder körperliche Arbeit sind erlaubt. Im jüdischen Kalender beginnt der Feiertag bei Sonnenuntergang vor dem 10. Tischri und dauert bis zum nächsten Sonnenuntergang, im Jahr 2021 also vom 15. bis zum 16. September. Das Ende wird durch das Blasen der Shofar (Widderhorn) eingeleitet.


Die Geschichte des Feiertags geht auf eine Erzählung aus der Thora zurück: Als Moses auf dem Berg Sinai stieg, um die 10 Gebote entgegenzunehmen, fingen die Israeliten am Fuße des Berges an ein Goldenes Kalb anzubeten. Mit den Geboten zurückgekehrt wurde Moses wütend, zerbrach die Steintafeln und begab sich zurück auf den Sinai, um Gott um Vergebung zu bitten. Jom Kippur ist also der Tag, an dem den frühen Israeliten für ihre Anbetung des Goldenen Kalbs vergeben wird.


Der Gruß „Chatima tova!“, welchen sich die Menschen an Jom Kippur wünschen, bedeutet so viel wie „Gutes Eintragen“, denn am höchsten jüdischen Feiertag wird jeder Mensch jüdischen Glaubens in das „Buch des Lebens“ eingetragen. Nach jüdischer Tradition existieren drei Bücher, die ab dem Neujahrstag Rosh Hashana bis zu Jom Kippur geöffnet sind und anschließend abermals versiegelt werden: Ein Buch, in dem die Namen aller guten Menschen stehen, ein Buch für die schlechten und das dritte Buch für durchschnittliche Personen. Zwischen Rosh Hashana und Jom Kippur haben die Menschen Zeit, sich zu bessern, um in das Buch der Guten eingetragen zu werden. Viele Juden:Jüdinnen verbringen daher Jom Kippur beim Beten in der Synagoge, versöhnen sich mit ihren Freunden und Bekannten und begleichen Schäden, damit ihnen vergeben werden kann.


Leider ist dieser Tag auch mit Trauer verbunden. In Halle wählte der rechtsterroristische Attentäter genau diesen Tag, der im Jahr 2019 auf den 9. Oktober fiel, um besonders viele Juden:Jüdinnen, die sich zum Beten in einer Synagoge versammelt hatten, töten zu können. Wir gedenken an Jom Kippur auch den Opfern des Attentats. Möge der Tag friedlich und besinnlich sein.


Wir wünschen Allen ein gutes Eintragen!


Levi Salomon und das Team des JFDA