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Blutige Paradoxie: Wenn das ideologische Vorspiel zur Tat wird

  • vor 2 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Zur  Hinwendung queerfeministischer Milieus zu islamistischem Antizionismus auf Berliner Pride-Demonstrationen und ideologischer Verknüpfung zum islamistischen Anschlag auf den CSD


Das vergangene Wochenende offenbarte auf tragische Weise die tödlichen Abgründe einer ideologischen Verblendung, die längst nicht mehr nur Diskursräume besetzt, sondern auf den Straßen Berlins reale Opfer fordert. Der islamistische Anschlag auf den offiziellen Berliner Christopher Street Day markiert einen erschütternden Tiefpunkt. Doch die ideologische Wegbereitung dieses Gewaltakts ließ sich nur wenige Stunden zuvor besichtigen: Auf der radikalen Alternativdemonstration „Internationalist Queer Pride“ bahnte sich rhetorisch, symbolisch und in aggressiver Konfrontation genau jener Hass den Weg, der kurze Zeit später in physische Gewalt umschlug. Was sich auf den Straßen des Berliner Weddings abspielte – wo unter der Losung „Globalize the Intifada“ der Ausnahmezustand proklamiert und die Vernichtung Israels gefordert wurden –, war kein isolierter Exzess. Es war die zynische Entgrenzung eines Milieus, das sich im Namen von Intersektionalität und Antiimperialismus mit den reaktionärsten Kräften der Gegenwart solidarisiert. Die zeitliche Abfolge besitzt eine bitter-konsequente Symbolik: Während radikale Teile der Szene den dschihadistischen Kampfbegriff der Intifada romantisierten und verklärten, setzte ein Terrorist eben jenen religiösen Fanatismus nur wenig später in blutige Tat um – gerichtet gegen die queere Community.


Mutmaßlich Hamas-Symbolik auf der "Internationalist Queer Pride" am 25.07.2026
Mutmaßlich Hamas-Symbolik auf der "Internationalist Queer Pride" am 25.07.2026

Der Christopher Street Day erinnert historisch an die Aufstände von sexuellen Minderheiten gegen staatliche Willkür und gesellschaftliche Diskriminierung. Während die offizielle Berlin Pride primär menschenrechtliche und liberale Reformvorstellungen verfolgt, formieren sich an den Rändern der Bewegung radikalere Veranstaltungen. Formate wie die Internationalist Queer Pride und der Community Dyke March beanspruchen für sich, die kommerzialisierte Stoßrichtung des CSD zu korrigieren. Allerdings hat sich der Fokus dieser Alternativveranstaltungen in den vergangenen Jahren sichtbar verschoben. Nicht mehr die Kritik am “heteronormativen” Geschlechterverhältnis oder der globale Einsatz für feministische Befreiung stehen im Zentrum, sondern die Auseinandersetzung mit dem arabisch-israelischen Konflikt, genauer: eine kompromisslose, einseitige Fixierung auf den Jüdischen Staat.


Dabei lässt sich konstatieren: Auf diesen Demonstrationen bewegen sich Akteure des antiimperialistischen und linksextremen Spektrums in direkter Nachbarschaft und organisatorischer Überschneidung mit Gruppierungen aus islamistischen und säkular-nationalistischen, palästinensischen Strukturen. Dass sich Gruppen, die von sich behaupten, für die Rechte sexueller Minderheiten einzutreten, mit Akteuren solidarisieren, die in ihren Zielen und – die politische Macht vorausgesetzt – auch tätlich ebenjene Minderheiten systematisch verfolgen, entmachten oder vernichten, stellt eine tiefgreifende argumentative und politische Verwirrung dar.

Um das Phänomen begrifflich und analytisch zu fassen, bedarf es einer Differenzierung der beteiligten Gruppen. Auf der einen Seite steht ein postmodernes und antiimperialistisches Milieu, das sich aus akademisch geprägten queerfeministischen Zirkeln, antikapitalistischen Gruppen und Teilen der radikalen Linken zusammensetzt. Auf der anderen Seite agieren gut vernetzte islamistische und  säkular-extremistische Netzwerke mit ihrer Infrastruktur. Zu diesen Netzwerken zählen unter anderem das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee, Nachfolge- und Ersatzstrukturen des verbotenen Netzwerks Samidoun, die Vorfeldorganisation Masar Badil, Personen und Sympathisanten aus dem Umfeld der PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine) sowie ideologische Unterstützer der Hamas und Akteure, die das islamistische Regime im Iran und dessen militärischen Arm, die Revolutionsgarden, unterstützen.


Teilnehmer solidarisierten sich mit dem islamischen Regime im Iran
Teilnehmer solidarisierten sich mit dem islamischen Regime im Iran

Diese Akteure sind regelmäßig auf linksislamistischen Kundgebungen sowie auf Demonstrationen zur Glorifizierung der Islamischen Republik Iran aktiv. Dass sie auf queerfeministischen Demonstrationen nicht nur geduldet, sondern als Bündnispartner gesehen werden, zeugt entweder von einer weitgehenden ideologischen Verblendung oder strategischen Zweckallianz. Die paradoxe Tatsache, dass dasselbe iranische Regime und dieselbe Hamas Homosexualität unter Todesstrafe stellen, wird im Diskurs der Veranstaltenden nicht als unüberbrückbarer Widerspruch verhandelt, sondern systematisch ausgeblendet oder relativiert.

Um zu verstehen, wie diese Allianzen entstehen, reicht der Verweis auf bloße Unwissenheit nicht aus. Vielmehr greifen hier spezifische ideologische Dispositionen, die im akademischen und aktivistischen Raum der postmodernen und antiimperialistischen Linken verankert sind. Ein zentrales ideologisches Scharnier ist eine verkürzte vulgär-postkoloniale Weltsicht. In diesem Schema wird die Welt manichäisch erklärt: auf der einen Seite die weißen, westlichen, kolonialen Unterdrücker, auf der anderen Seite die Unterdrückten des sogenannten globalen Südens. Innerhalb dieses Rasters wird der Staat Israel als ultimativer Kolonisator aufgefasst. Der komplexe Charakter des Antisemitismus – der im Unterschied zum klassischen Rassismus den Juden nicht Minderwertigkeit, sondern eine gleichzeitig abstrakte, übermächtige und manipulative Allmacht zuschreibt – wird in der postkolonialen Rezeption dementsprechend verkannt. Israel fungiert in diesem Narrativ als universelle Chiffre für das vermeintlich böse Westliche. Da die sogenannte Achse des Widerstands, also das islamische Regime im Iran mitsamt seiner Proxys Hamas, Hisbollah und Huthi, in diesem Schema per definitionem als die gerechte Wehrhaftigkeit der Unterdrückten gilt, werden selbst deren reaktionärsten, islamistischsten und antisemitischsten Ausprägungen romantisiert, dekontextualisiert oder als legitimer dekolonialer Akt verharmlost.


Der klassische Emanzipations- und Befreiungsanspruch der Linken wird im regressiven Antiimperialismus durch eine geopolitische Logik ersetzt. Maßstab für potenzielle Bündnisse sind nicht mehr Fragen, ob eine Bewegung emanzipatorisch, demokratisch oder menschenrechtskonform agiert, sondern einzig, ob sie sich gegen die USA, den Westen und vor allem Israel richtet. In dieser Logik avancieren selbst klerikal-faschistische Regime wie das im Iran oder islamistische Terrororganisationen zu potenziellen Partnern im antiimperialistischen Kampf. Die reale Unterdrückung von Frauen, Homosexuellen, religiösen Minderheiten und politischen Dissidenten durch diese Akteure wird im Sinne des Antizionismus als sekundär abgetan und/oder als westliche Propaganda diffamiert.


Ein spezifischer Abwehrmechanismus innerhalb der queerfeministischen Szene ist das Konstrukt des “Pinkwashing”. Dieses hat sich im radikalen Diskurs mittlerweile als manifest-antisemitisches Ressentiment etabliert. Dabei tritt ein doppelter Effekt ein. Einerseits erfolgt eine Delegitimierung demokratischer Standards, indem die realen, rechtlichen und gesellschaftlichen Freiheiten für homosexuelle Menschen in Israel entwertet und als bösartige Absicht umgedeutet werden. Andererseits schützt das Narrativ vor der Konfrontation mit der realen, tödlichen Verfolgung von Betroffenen in palästinensischen Gebieten oder dem Iran, da entsprechende Hinweise als Blick des westlichen “Homonationalismus” abgewehrt werden.

Die Theorie der Intersektionalität sollte das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen analysieren. In den genannten Milieus, wie auf der Internationalist Queer Pride, wird Intersektionalität jedoch zu einer Ideologie des Bekenntniszwangs verdreht: Wer für LGBTQ-Rechte eintritt, muss auch antizionistisch sein. Durch diese Totalisierung wird der Ausschluss jüdischer und israelischer queerer Personen sowie aller anderen Personen, die dies nicht teilen, organisatorisch und diskursiv erzwungen. Die antisemitische Ausgrenzung wird dabei als notwendiger Akt der Szene-Reinigung und Rassismuskritik verklärt und gerechtfertigt. Die Allianzen auf der Internationalist Queer Pride und dem Community Dyke March sind kein Randphänomen, sondern Symptom einer tiefen Krise im emanzipatorischen Diskurs. Wenn Bewegungen, die einst zur Überwindung von Diskriminierung angetreten sind, mit antisemitischen, klerikalfaschistischen und misogynen sowie homophoben Kräften paktieren, verlieren sie jede Glaubwürdigkeit.


Aggressive Eskalation und maximalistische Vernichtungssymbolik


Dass es sich bei Formaten wie der Internationalist Queer Pride keineswegs um friedliche Kundgebungen für Minderheitenrechte handelte, manifestierte sich auf der Straße in einer spürbar unfriedlichen und aufgeheizten Atmosphäre. Die Demonstration war von einer hohen Konfrontationsbereitschaft gegenüber den Sicherheitskräften geprägt; es kam wiederholt zu gewaltsamen Rangeleien, Tumulten und mehreren Festnahmen durch die Polizei.


Plakat auf der IQP 2026
Plakat auf der IQP 2026

Die artikulierten Parolen offenbarten dabei eine doppelte Stoßrichtung: Einerseits eine fundamentale Ablehnung des demokratischen Rechtsstaates – manifestiert in Rufen wie „Fuck you Germany, viva palestine“ –, andererseits eine unzweideutige, eliminatorische Haltung gegenüber dem Staat Israel. Mit der Parole „We want 48, we will get 48“ wurde unverhohlen auf das Jahr 1948 und die israelische Staatsgründung Bezug genommen. Dies ist keine bloße Kritik an der aktuellen Politik der israelischen Regierung, sondern ein totaler Gebietsanspruch, der die Existenz Israels in Gänze delegitimiert und dessen Rückabwicklung – also de facto Vernichtung des jüdischen Staates – zur Handlungsmaxime erhebt. Dieser Vernichtungsimpuls verband sich mit einem affirmativen bis obsessiven Bezug zum Arabismus und Islamismus. Neben Forderungen nach einer „globalen Intifada“ und Parolen wie „No peace on stolen land“ wurden auf Arabisch Slogans skandiert wie „Vom Wasser bis zum Wasser – Palästina ist arabisch“ (min al-mayyih lil-mayyih). Ergänzt durch plakative Zurschaustellungen wie „Allah loves gays“ zeigte sich eine vollkommene Unterwerfung queerfeministischer Anliegen unter religiös-nationalistische Kampfbegriffe. Die gewaltbereite Verachtung der deutschen Aufnahmegesellschaft ging hier Hand in Hand mit der Glorifizierung einer Ideologie, die jede Form von Pluralismus und geschlechtlicher Selbstbestimmung verachtet.


Ideologische Konsequenz: Islamistischer Anschlag auf den Berliner CSD


Die verheerende Tragweite dieser rhetorischen und praktischen Entgrenzung zeigte sich wenige Stunden später auf erschütternde Weise. Am selben Wochenende verübte ein islamistischer Attentäter einen Anschlag auf den offiziellen Berliner CSD – nur kurze Zeit nach dem Ende der Internationalist Queer Pride. Der zeitliche und inhaltliche Zusammenhang legt eine bitter-konsequente Dynamik offen: Was auf der Demonstration rhetorisch gefordert wurde– „Globalize the Intifada“ –, setzte der Terrorist in die konkrete Tat um.


Die Weigerung radikaler Teile der Queer-Szene, den islamistischen Fundamentalismus als tödliche Bedrohung für jegliche liberale und queere Existenz zu begreifen, führt so zur tragischen Paradoxie: Während auf der einen Kundgebung die Auslöschung Israels und der Dschihadismus romantisiert werden, trifft genau dieser islamistische Terrorismus wenig später die Angehörigen der gesamten Community auf offener Straße. Wer den Nährboden für reaktionären Hass bereitet, verkennt nicht nur die Realität des Terrors, sondern macht sich zum Steigbügelhalter einer Ideologie, die am Ende die Auslöschung jeglicher freiheitlichen Lebensform anstrebt. 


Unser tiefes Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen des Anschlags vom 25.07.2026.



(Redaktion JFDA e.V.)


 
 
 

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