documenta15

2.2. Die Ereignisse auf der documenta15

2. Chronologie der Ereignisse

Mit der Enthüllung des Banners „People’s Justice“ der Gruppe Taring Padi zur Eröffnung der documenta15 am 18. Juni 2022 zeigte sich, dass die im Vorfeld der Eröffnung geäußerte Kritik des BgA berechtigt war. Angesichts der ausgestellten antisemitischen Darstellung nahm die Diskussion erneut Fahrt auf.


Es hagelte Rücktrittsforderungen, denen die unmittelbar Verantwortlichen der Kunstschau nicht nachkamen. Nur der Vorsitzende des documenta-Forums, Jörg Sperling, musste sein Amt aufgeben, da er zuvor das Banner unter dem Argument der Kunstfreiheit verteidigt hatte.


Bundeskanzler Olaf Scholz befürwortete den Abbau des Kunstwerks und gab daraufhin die Absage seines Besuchs auf der documenta15 öffentlich bekannt.

Am 07. Juli 2022 wurde der auf der documenta zur Schau gestellte Antisemitismus im Kulturausschuss des Bundestages diskutiert. Geladen waren Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn, documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann und der Oberbürgermeister von Kassel, Christian Geselle. Die beiden Letzten ließen sich jedoch entschuldigen. Die Union brachte einen Antrag auf eine unabhängige Untersuchungskommission ein, die die Kunstwerke prüfen sollte.


Als externer Berater zur Begutachtung der Werke wurde Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, beauftragt. Obwohl Mendel zunächst die documenta-Leitung gegen Kritik in Schutz nahm und in einen Dialog mit den Künstler:innen treten wollte, war auch seine Beratungstätigkeit nur von kurzer Dauer. Am 08. Juli, nach nur zwei Wochen, kündigte er die Zusammenarbeit mit der documenta auf. Mendel zufolge habe die Generaldirektorin, Sabine Schormann, wenig Willen gezeigt, den Antisemitismus-Skandal aufzuarbeiten. Die Ablehnung der Gründung eines Beirats aus Antisemitismus-Expert:innen zur weiteren Begutachtung wirke wie ein Spiel auf Zeit, so Mendel. Als Reaktion darauf zog sich auch die auf der documenta ausstellende Künstlerin Hito Steyerl zurück, die als eine der wenigen berühmten Persönlichkeiten der Ausstellung galt. Sie gab als Grund die mangelnde Verantwortung für die gezeigten antisemitischen Inhalte an.


Am 16. Juli war der Druck schließlich so groß, dass der Vertrag der Generaldirektorin Sabine Schormann vorzeitig gekündigt wurde, so dass sie ihr Amt niederlegen musste. Als Amtsnachfolger übernahm der Kulturmanager Alexander Farenholtz die Geschäftsleitung. Zur Aufarbeitung des Antisemitismus-Skandals trug die Umbesetzung des Postens jedoch nicht bei, da sich Farenholtz ebenso wie seine Vorgängerin gegen eine Prüfung der Kunstwerke aussprach. Die größtmögliche kuratorische Freiheit hatte auch für ihn Vorrang.


Am 28. Juli standen weitere antisemitische Bilder, die im Fridericianum ausgestellt waren und dem Kollektiv Archives des Luttes des Femmes en Algérie entstammten, in der Kritik.

Die anwachsende Kritik führte dazu, dass am 01. August ein siebenköpfiges Expert:innengremium unter der Leitung von Nicole Deitelhoff einberufen wurde. Dieses sollte sich der Sichtung der Ausstellung und der Identifikation von Werken mit antisemitischer Bildsprache annehmen.


Am 21. August erklärte Deitelhoff jedoch, dass das Gremium sich in seiner Arbeit behindert fühle, da in einem Werk „All Mining is Dangerous“ des Kollektivs Taring Padi eine abgebildete Kopfbedeckung, die an eine Kippa erinnerte, heimlich überklebt wurde. Deitelhoff bezeichnete dies als völlig unangemessenen Umgang mit der Antisemitismusproblematik auf der documenta.


Foto von Taring Padi's „All Mining is Dangerous“ mit abgeklebter Kopfbedeckung.
Foto von Taring Padi's „All Mining is Dangerous“ mit abgeklebter Kopfbedeckung.

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