NS-Relativierung, Doppelstandards, Täter-Opfer-Umkehr: Die antisemitischen Aussagen Sucharit Bhakdis


Über ein aktuelles Videointerview mit dem Verschwörungsideologen Sucharit Bhakdi und seine antisemitischen Aussagen wird zurzeit viel diskutiert. Wir klären über die wichtigsten Aussagen und ihren antisemitischen Gehalt auf:

Bhakdi betreibt NS-Relativierung und Täter-Opfer-Umkehr: jüdische Überlebende des Holocaust, die nach Israel flüchteten, hätten in Deutschland das "Erzböse" erfahren. Ihr eigenes Land Israel hätten sie aber in etwas "verwandelt", was "noch schlimmer" sei.

Was Bhakdi damit meint: Israel habe, wie "andere Länder", einen "Impfzwang" eingeführt. Weiter: "Das ist das Schlimme an den Juden: sie lernen gut. (...) Aber sie haben das Böse jetzt gelernt und umgesetzt. Und deswegen ist Israel jetzt 'living hell', die lebende Hölle".


Mehrere Aspekte an diesen Aussagen sind antisemitisch. Dass Bhakdi in seiner "Kritik" an Coronaimpfungen nur explizit auf Israel rekurriert, obwohl er auch "andere Länder" hätte nennen und thematisieren können, ist ein Fall von Doppelstandards.


Die Höllen-Metapher in Bezug auf Israel greift das jahrtausende alte Stereotyp des Gottesmordes auf: Seit der Kreuzigung Jesus gelten jüdische Menschen als “Teufel”, sie wurden für den Tod des Sohnes Gottes verantwortlich gemacht.

Zentral ist weiterhin der Aspekt der Täter-Opfer-Umkehr - ein weit verbreitetes Ideologem des Sekundären oder Post-Shoa-Antisemitismus. Hier wird jüdischen Überlebenden des Holocaust unterstellt, "von Opfern zu Tätern" geworden zu sein.


Diese Aussagen werden hier kombiniert mit einer expliziten Relativierung der NS-Judenvernichtung: Israel führe eine Politik, die "schlimmer" sei als die der Nazis. Dadurch wird der NS-Antisemitismus "weniger schlimm" als "Impfungen" abgewertet.


Bhakdis Aussagen kulminieren in dem jahrhundertealten Stereotyp, dass jüdische Menschen besonders intelligent seien, was "schlimm" sei. Laut Bhakdi hätten sie im NS das "Erzböse" "erlernt" und in ihrem "eigenen Land" übertroffen - wie gesagt: Täter-Opfer-Umkehr.

Weiterhin setzt Bhakdi das Judentum mit dem Staat Israel gleich und macht damit jüdische Menschen kollektiv für das Verhalten des Staates Israels verantwortlich. Auch dies ist ein Beispiel für Antisemitismus.


Bhakdi ist seit Beginn der Coronapandemie ein wichtiger Akteur für die Coronaproteste und er hat an mehreren pseudowissenschaftlichen verschwörungsideologischen Publikationen mitgewirkt. Es ist empörend, aber kaum überraschend, dass eine zentrale Figur des corona-verschwörungsideologischen Spektrums derartige antisemitische Aussagen tätigt: schließlich kann der moderne Antisemitismus als eine Art prototypische Verschwörungsideologie betrachtet werden.

Bhakdis Aussagen könnten in mehreren Fällen den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Mehrere Anzeigen sind bereits gestellt worden u.a. durch die Werteinitiative. Für weitere Informationen über Antisemitismus und wie man ihn erkennt verweisen wir auf die Arbeitsdefinition Antisemitismus der IHRA.

PS: Die Partei “Die Basis”, für die Bhakdi für den Bundestag kandidiert, spricht von “Framing”, “bösartiger Unterstellung” und “Diffamierung”. Erneut scheint der “Antisemitismusvorwurf” schlimmer zu sein als das Aufzeigen und Kritisieren von Antisemitismus.

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