top of page

Chag Pessach sameach!

  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Pessach ist das Fest des Aufbruchs. Es erinnert an jene Nacht, in der die Israeliten Ägypten verließen – hastig, mit ungesäuertem Brot, mit der Erinnerung an die Knechtschaft im Herzen und mit der Hoffnung auf Freiheit vor Augen. Doch die jüdische Überlieferung lehrt: Die Befreiung beginnt nicht erst mit dem ersten freien Schritt. Und sie ist nicht vollendet, sobald die Tore der Unterdrückung hinter einem zufallen.

Denn Ägypten zu verlassen, ist das eine. Die Sklaverei hinter sich zu lassen, ist etwas anderes.


Die Tora erzählt vom Auszug – und sie erzählt von den vierzig Jahren in der Wüste. Diese lange Zeit ist kein bloßer Umweg. Sie ist ein Weg der Verwandlung. Die Wüste wird zum Ort, an dem aus Befreiten freie Menschen werden sollen. Denn wer in Knechtschaft geboren wurde, trägt die Erfahrung der Unfreiheit nicht nur am Körper, sondern auch in der Seele. Die Sprache der Angst, die Gewohnheit des Gehorchens, die Enge des Herzens – all das verschwindet nicht in einer einzigen Nacht.


So liegt in der Wüstenwanderung ein tiefer Gedanke: Freiheit ist mehr als die Abwesenheit von Ketten. Freiheit muss gelernt werden. Sie braucht Zeit. Sie verlangt Erinnerung und Mut. Sie fordert den Menschen heraus, aufzustehen, Verantwortung zu übernehmen und das eigene Leben nicht länger von der Logik der Knechtschaft bestimmen zu lassen.


In diesem Sinn wird die Wüste in der jüdischen Tradition zu einer Schule der Freiheit. Erst am Ende dieses langen Weges steht das Gelobte Land. Und in der Deutung dieses Weges liegt die Einsicht, dass nicht einfach diejenigen ankommen, die Ägypten verlassen haben, sondern jene, die gelernt haben, als freie Menschen zu leben. Nicht die Herkunft aus der Sklaverei soll das letzte Wort behalten, sondern die Würde der Freiheit.

Auch in chassidischen Erzählungen klingt dieser Gedanke immer wieder an. Der Weg aus Mizrajim, aus der Enge, ist nicht nur ein Weg durch die Geschichte, sondern auch ein Weg durch das Innere des Menschen. Jeder Mensch kennt seine eigenen Formen der Enge, seine eigenen Häuser der Knechtschaft: Angst, Verzweiflung, Resignation, Ohnmacht, die Gewöhnung an das, was unfrei macht. Pessach erinnert daran, dass Befreiung nicht nur geschieht, sondern errungen, eingeübt und bewahrt werden muss.


Gerade darin liegt die bleibende Größe dieses Festes. Pessach erzählt nicht nur von einem vergangenen Wunder. Es erzählt von einer Wahrheit, die bis heute trägt: Der Mensch ist nicht für die Sklaverei geschaffen. Er ist zur Freiheit berufen. Zu einer Freiheit, die nicht Beliebigkeit meint, sondern Würde. Zu einer Freiheit, die Verantwortung kennt. Zu einer Freiheit, die den Menschen aufrichtet und ihn lehrt, seinen Weg nicht mehr im Schatten der Knechtschaft, sondern im Licht der Hoffnung zu gehen.


Darum ist Pessach mehr als ein Erinnerungsfest. Es ist ein Fest der inneren und äußeren Befreiung. Es spricht von der Sehnsucht, alles abzustreifen, was den Menschen klein macht. Es spricht von der Hoffnung, dass Enge nicht das letzte Wort behält. Und es spricht von der Möglichkeit, dass aus einem Volk von Befreiten eine Gemeinschaft freier Menschen wird.


In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und euch zu Pessach Tage der Besinnung, der Zuversicht und der Hoffnung. Möge dieses Fest uns an die Kraft der Freiheit erinnern – und an den langen, oft mühsamen, aber würdevollen Weg, der zu ihr führt.


Chag Pessach sameach!


Levi Salomon und das gesamte Team des JFDA

 
 
 

Kommentare


Abonnieren Sie unseren Newsletter

Nach der Eingabe ihrer E-Mail werden Sie in unseren Newsletter-Verteiler
aufgenommen und erhalten regelmäßig die neusten Informationen des JFDA.
Vielen Dank! Um Ihre Anmeldung zu bestätigen, haben wir Ihnen eine Mail an die eingegebene Adresse gesendet.
Wenn Sie keine Mail erhalten haben, schreiben Sie bitte an info@jfda.de
  • Weißes Facbook-Symbol
  • Weißes Twitter-Symbol
  • Weißes YouTube-Symbol
  • Weiß Instagram Icon
bottom of page