Leo Trepp Schülerpreis im Sächsischen Landtag verliehen

Aktualisiert: 21. Juni


Leo Trepp wurde 1913 geboren. Er war ein neo-orthodoxer Rabbiner, der Deutschland gerade noch rechtzeitig verlassen konnte, ehe den Juden in Deutschland nicht nur jegliche Existenzgrundlage, sondern auch das Leben geraubt wurde. Nach einem Aufenthalt in England sah er sich wegen des Kriegsverlaufs schließlich gezwungen, in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Obwohl der Großteil seiner Familie den Nationalsozialismus nicht überlebte, kam er 1954 das erste Mal wieder nach Deutschland zurück. Auch als Amerikaner blieb er so dem deutschen Judentum verbunden. Da er bis zu seiner gewaltsamen Verschleppung in das Konzentrationslager Sachsenhausen 1938 Landesrabbiner in Oldenburg gewesen war, begleitete er die 1992 neu gegründete jüdische Gemeinde in Oldenburg von Anfang an. Dabei war er für Reformen und liberale Positionen offen – dazu zählt auch die völlige Gleichstellung der Frau im Gottesdienst. Zu dieser flexiblen Geisteshaltung gehört auch lebenslanges Lernen – und die Auseinandersetzung mit Themen jenseits des Mainstreams. In diesem Geiste rief seine Witwe Gunda Trepp eine Stiftung ins Leben, die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen soll, sich mit jüdischem Leben in Deutschland zu beschäftigen. Am 16. Juni 2022 wurde der Schülerpreis zum ersten Mal verliehen. Feierlicher Ort für die Verleihung der Preise war der Sächsische Landtag in Dresden.

Gunda Trepp, Autorin und Journalistin, Gründerin und Vorständin der Leo-Trepp-Stiftung

Obwohl der in sieben Bundesländern ausgeschriebene Preis erst im September an den Start ging bewarben sich 73 Schülergruppen um den Preis, so dass der Jury die Entscheidung nicht leicht fiel. Die Preisträger kommen aus Niedersachsen (3), Berlin und Sachsen. Insgesamt beteiligten sich 73 Schülergruppen der 9. und 10. Klasse aus Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen an dem Wettbewerb.


Der erste Preis, eine Klassenfahrt nach Berlin, ging an 29 Schülerinnen und Schüler der Cäcilienschule in Wilhelmshaven. Die Klasse hat etwas erstaunliches geleistet: Sie hat ein kleines Büchlein mit dem Titel „Entdecke das Judentum“ zusammengestellt. Von Maimonides bis zu Albert Einstein präsentiert dieses Heft auf kurzweilige Art in Dialogform Juden und ihre Beiträge zur Menschheitsgeschichte. Ein wichtiger Beitrag, um Stereotypen und Vorurteilen entgegenzuwirken.


Den zweiten Preis teilten sich sechs Schülerinnen des Lily-Braun-Gymnasium in Berlin-Spandau, die unter Anleitung ihrer Religionslehrerin einen Podcast mit dem Titel „Von Regina Jonas zu heutigen Rabbinerinnen“ produzierten, und drei Schülerinnen des Lessing-Gymnasiums Plauen, die einen Film über die


„Jüdische Geschichte in Plauen“ in den Wettbewerb geschickt hatten.


Auch beim dritten Preis fiel es der Jury schwer, eine eindeutige Entscheidung zu treffen. Also wurde auch dieser geteilt, blieb dabei allerdings in derselben Schule, dem Gymnasium Bad Iburg in Niedersachsen: Sieben Schülerinnen und Schüler produzierten einen Film über das Jugendzentrum Lev Echad in Osnabrück, eine sechsköpfige Gruppe erstellte einen Podcast mit dem Titel „Lebendiges Judentum im Sport“, in dem der jüdische Sportverein Makkabi im Mittelpunkt steht.


Die Laudatio für den ersten Preis hielt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, zugleich Schirmfrau des Preises, Dr. h.c. Charlotte Knobloch. An alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gerichtet sagte sie: „Ich möchte mich zuallererst und ganz besonders bei Euch bedanken – für Eure Energie und Euer Herzblut, für Eure Neugier und Eure Tatkraft. Für alle Projekte, die Ihr begonnen habt und für die Ihr heute zurecht ausgezeichnet werdet.“ Auch Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, der die Laudatio für den zweiten Preis hielt, betonte die Offenheit und Neugier, mit der sich die Schülerinnen und Schüler auf die Spurensuche begeben hatten: „Durch ihre Bereitschaft zur Begegnung und ihr Interesse daran, über den Tellerrand zu blicken, haben die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht nur an Wissen und Erfahrungen dazugewonnen, sondern tragen auch aktiv zur Vorbeugung von Antisemitismus bei.“

Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus

Bemerkenswert war die stringente und herzliche Moderation der Veranstaltung durch Rabbinerin Esther Jonas-Märten. Aufgelockert wurde die Preisverleihung durch Musikbeiträge der Rapperin Sharon und Band. Sharon wuchs als Kind israelischer Eltern in Pforzheim auf und entdeckte ihr Talent in Tel Aviv bei einem Gesangswettbewerb, in dem sie den ersten Preis gewann. Ein ungewöhnlicher Auftritt an einem ungewohnten Ort, der nachhallte und zeigte, dass Juden in Deutschland wieder einen Platz gefunden haben.


Der Leo Trepp-Schülerpreis wird auch im Schuljahr 2022/23 wieder an den Start gehen. Weitere Informationen sind abrufbar unter: https://leotrepp.org/de/leo-trepp-preis


Dr. Nikoline Hansen, Vorsitzende JFDA e.V.




Bildnachweise: Alle Bilder sind Screenshots des Livestreams auf dem YouTube-Kanal des Sächsischen Landtags (https://www.youtube.com/watch?v=_T2ZC4-ZPcA)

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