Der Antifeminismus der Neuen Rechten


Am 8. März, dem Feministischen Kampftag bzw. Internationalen Frauentag, kämpfen seit über 100 Jahren Feminist:innen für Geschlechtergerechtigkeit.


Der Internationale Frauentag wird seit 1911 gefeiert. Seit 1921 geschieht das am 8. März. Von der Sozialdemokratin und späteren Kommunistin Clara Zetkin ins Leben gerufen, steht der Tag für den Kampf gegen geschlechterspezifische Diskriminierung und für Gleichberechtigung. Zu Beginn waren beispielsweise das Frauenwahlrecht und der Kampf gegen den Ersten Weltkrieg zentrale Themen. Als das Ziel des Frauenwahlrechts erreicht war, traten neue Bereiche, wie die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages, der Mindestlohn und die Forderung nach gleicher Bezahlung bei gleicher Arbeit in den Vordergrund.


Heute wiederum stehen andere Themen im Fokus: Jeden dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet, im Internet sind insbesondere Frauen Hass ausgesetzt und im Kontext von Arbeitsbedingungen zeigt sich – nicht erst durch die Auswirkungen der Pandemie –, dass viele der Forderungen, die bereits die frühen Feminist:innen stellten, auch gegenwärtig noch nicht erfüllt sind.


In Deutschland hat der Internationale Frauentag eine besondere Geschichte. Er wurde 1933 von den Nationalsozialist:innen verboten, da Geschlechtergerechtigkeit nicht mit der nationalsozialistischen Vorstellung der deutschen Frau als Mutter und Hausfrau, vereinbar waren. Sie erklärten stattdessen den Muttertag 1934 zum Feiertag und nutzen ihn für propagandistische Zwecke.


Antifeminismus von rechts


Ein ähnliches Frauenbild liegt auch heutigen antifeministischen Haltungen zugrunde. Diese finden sich zwar in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus wieder, sind jedoch besonders ausgeprägt in der Rechten und dort insbesondere bei der sog. Neuen Rechten zu beobachten. Diese gibt sich nach außen in Teilen gemäßigt, weist allerdings inhaltlich und personell viele Überschneidungen zu “alten” rechtsextremen Strukturen auf. Der Neuen Rechten geht es unter anderem darum, den öffentlichen Diskurs durch die Einbindung rechter Rhetoriken und einzelner Begriffe zu beeinflussen. Der Strömung zuzählen sind beispielsweise die “Identitäre Bewegung” oder das "Institut für Staatspolitik".


Doch warum ist Antifeminismus überhaupt im Fokus jener Akteure?


Unter Antifeminismus lassen sich verschiedene Denkweisen zusammenfassen. Grundlage dessen ist ein binäres biologisches Geschlechtermodell, das sich aus einer vermeintlich natürlichen Geschlechterordnung ableitet und den Geschlechtern ‘Mann’ und ‘Frau’ eine feste gesellschaftliche Position zuweist. Die beiden Geschlechter werden als ungleich und gegensätzlich aufgefasst. Aus dieser angenommenen Ungleichheit resultiert die unterschiedliche Bewertung von Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. In dieser Ideologie sind Frauen fürsorglich, fokussiert auf Familie und Kinder und Männer stark, mächtig und fokussiert auf Arbeit und Karriere. Diese als natürlich betrachtete Geschlechterordnung stiftet Identität und findet daher in den immer weiter verbreiteten Vorstellungen von sozialen, multiplen Geschlechtern ein potentielles Feindbild und eine wahrgenommene Bedrohung. Auch entstehen daraus Ungleichheiten, sei es in ungerechter Verteilung von Care-Arbeit, ungleicher Bezahlung oder der Betroffenheit von geschlechtsbezogener Gewalt. Während der Feminismus sich gegen diese Ungleichheiten einsetzt, richtet sich der Antifeminismus nicht nur gegen diese Bestrebungen, sondern verneint die ungleichen Verhältnisse. Dieses Verneinen stellt durchaus eine weitverbreitete Aussage dar, welche beispielsweise im Satz “Es braucht keinen Feminismus mehr, Frauen haben doch schon alles erreicht” Ausdruck findet. Die Negierung der vorhandenen Ungleichheiten sorgt auch dafür, dass die Gegebenheiten weiter gefestigt und reproduziert werden.


Antifeminismus ist fester Bestandteil der Rechten, da er die Grundlage der rechten Ideologie der Volksgemeinschaft ist, die wiederum auf der Vorstellung einer klaren geschlechtsspezifischen und natürlichen Geschlechterordnung basiert. Das Männlichkeitsbild der Rechten weist heroische, aggressive, kampfbereite Züge auf, im Gegensatz zur imaginierten Vorstellung von der Frau als Mutter und Bewahrerin der Werte. Dieses Verständnis von Geschlechterrollen bildet die Basis für das in der Neuen Rechten weit verbreitete Narrativ einer sogenannten “Krise der Männlichkeit”. Laut dieser werden Männer durch den Feminismus “verweiblicht” und müssten wieder ihre “männlichen” Eigenschaften betonen um die patriarchalische Ordnung der Familie zu sichern.


Neben Frauenfeindlichkeit und patriarchalen Rollenbildern ist auch die Ablehnung von Homosexualität und queeren Identitäten ein grundlegender Teil nationalistischer und rechter Denkweisen. Die Vorstellung einer biologischen und dadurch vermeintlich natürlichen Geschlechterordnung, die auf einer binären Logik und Heteronormativität beruht, ist mit Lebensweisen und Identitäten, die sich diesem Modell nicht unterordnen lassen, nicht vereinbar. Sie gelten als unnatürlich und werden deshalb herabgesetzt und bekämpft. Aus diesem Grund wird die Gleichberechtigung von Menschen, die nicht dem heteronormativen Rollenbild entsprechen, abgelehnt. Die Existenz eines sozialen Geschlechts wird verneint und Feminist:innen die Macht unterstellt, den öffentlichen Diskurs vollkommen zu steuern und “Sprachverbote” durchzusetzen. Dadurch findet eine Zuschreibung der Schuld an der “Krise der Männlichkeit” statt . Die Queerfeindlichkeit äußert sich auch in der Überzeugung, dass Kinder in Schulen durch das Kennenlernen von Sexualitäten abseits der Heterosexualität “verwirrt” würden und diese Erziehung zur Vielfalt eine Gefahr für die Kinder wäre. Das sorgt dafür, dass LGBTQI+ kein Raum in der Gesellschaft eingeräumt wird und sie weiterhin als “anders” markiert werden.


Antifeminismus und Antisemitismus


Eine weitere Ausprägung stellt der Glaube an den “Großen Austausch” dar. Dieser bezeichnet eine antisemitische Verschwörungserzählung, welche auf Renaud Camus und dessen Vorstellung einer vermeintlichen Masseneinwanderung, die die einheimische Bevölkerung austauschen soll, basiert. Neben Juden:Jüdinnen werden für diese Entwicklung Frauen verantwortlich gemacht. Feminismus würde Männer verweiblichen und Frauen dazu bringen, keine oder weniger Kinder zu bekommen. Frauen müssten also mehr Kinder gebären, um dem angeblichen “Großen Austausch” entgegenzutreten. Dadurch wird eine heterosexuelle Ehe mit Kindern zur einzig vertretbaren Lebensform zwischen Mann und Frau, und traditionelle Rollenbilder werden weiter verstärkt. Auch würden Frauen durch ihre angebliche höhere Emotionalität leichter von bewegenden Bildern der Medienberichterstattung beeinflusst und würden deshalb eher linke Parteien wählen, welche vermeintlich pauschal für Grenzöffnungen stünden. Diese Entwicklung wird dann letztendlich dafür verantwortlich gemacht, dass Frauen sich verschleiern müssten und vergewaltigt würden. Hier zeigt sich die Verschränkung von antisemitischen, nationalistischen und rassistischem Denken der Neuen Rechten mit Antifeminismus.


Im Kontext der Überschneidungen von antifeministischen und rassistischem Gedankengut in den Positionen der Neuen Rechten ist auch die Externalisierung von geschlechtsspezifischer Gewalt und übergriffigem Verhalten auf männliche Geflüchtete, Migranten und generell als migrantisch wahrgenommene Männer zu nennen. Indem geschlechtsspezifische Gewalt auf andere projektiert wird, lenken die Akteure von ihrer eigenen Verantwortung ab und inszenieren sich gleichzeitig als "Beschützer der weißen Frau". Dieses Verhalten wird allerdings auch von Frauen in der rechten Szene gezeigt. Im Verständnis der Neuen Rechten kann der ideale Mann nur deutsch/weiß sein. Der nicht-weiße Mann wird hypersexualisiert und potent dargestellt, der Macht über den weiblichen Körper besitzt. Er besitzt also die Macht, die den weißen Männern aufgrund der “Krise der Männlichkeit” genommen wurde. Ein Widerspruch wird hier ganz deutlich: Bei nicht-weißen Männern werden die oben genannten Eigenschaften verurteilt, während sie für weiße Männer eingefordert werden.


Der vermeintliche Feminismus der Rechten, der sich besonders den Schutz von Frauen vor migrantisierten Männern auf die Fahnen schreibt, zeigt sich auch auf einschlägigen Profilen in den Sozialen Medien. Die entsprechenden Accounts fallen besonders durch eine inszenierte traditionelle Weiblichkeit auf. Es wird viel Bezug auf “weiblich” wahrgenommene Tätigkeiten genommen und Inhalte zu germanischen Traditionen und Heimatschutz behandelt. Auch Kritik an Schwangerschaftsabbrüchen, Hijabs und der Frauenquote kommen hier zwischen auf den ersten Blick harmlos aussehenden und jung aufgemachten Bildern nicht zu kurz. Es ist die Tendenz zu beobachten, dass sich die Denkweisen über Weiblichkeit und Feminismus auch in jungem Design in den Sozialen Medien finden lassen. Auf diese Entwicklung ist hinzuweisen, da jüngere Menschen hierdurch früh und auf direktem Wege mit rechter Ideologie in Berührung kommen. Durch die moderne Aufmachung – welche nicht genuin mit der rechten Szene verbunden wird – erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass entsprechende Inhalte nicht als möglicherweise problematisch erkannt werden.


Fazit


Der Antifeminismus der Neue Rechte stellt eine Gefahr dar, da er häufig in einem vordergründig modernen Gewand auftritt und dabei an sexistische Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität anknüpft, die auch außerhalb der rechten Szene weit verbreitet sind. Er kann daher als Schnittstelle dienen um rechtsextremen Positionen leichter in den öffentlichen Diskurs einzubringen.


Zusammenfassend ist zu betonen, dass Antifeminismus sowie Antisemitismus und Rassismus in den Denkweisen der Neuen Rechten tief verankert sind, sich gegenseitig bedingen und verstärken. Dies hat zur Folge, dass Juden:Jüdinnen sowie Schwarze und migrantisierte Personen besonders von sexistischen Anfeindungen und Gewalt betroffen sind. Die unterschiedlichen Ideologien müssen aus diesem Grund gemeinsam als Gefahr für die Demokratie wahrgenommen werden. Es ist wichtig, sowohl in den Sozialen Medien als auch im täglichen Leben für Feminismus einzustehen.