Mitzpe*

Recherchezentrum Antisemitismus und Demokratiegefährdungen

Das Projekt »Mitzpe* – Recherchezentrum Antisemitismus und Demokratiegefährdungen« des JFDA Berlin gewährleistete einerseits eine fortgesetzte vertiefte Recherche im Kontext einer aktuellen Feld- und Diskursbeobachtung, die in eine zeitnahe Berichterstattung im Netz umgesetzt wurde (der Projektname »Mitzpe« bedeutet „Ausguck“ im Sinne von Jesaja 21,6: „Stelle den Ausguck auf; was er sieht, soll er berichten“ – hier gleichsam den Wächter, der nach Demokratiegefährdungen Ausschau hält). Dabei ging es inhaltlich um antisemitische Vorfälle und Diskurse (klassischer antijudaistischer und rassistischer, revisionistischer, „antizionistischer“/israelbezogener, verschwörungsideologischer und struktureller Antisemitismus) in unterschiedlichen Spektren (völkisch-rassistischer sowie ethnozentriert-kulturalistischer Rechtsextremismus, „Querfront“, Islamismus etc.), um Debatten über Antisemitismus in Mainstream-Diskursen, um Erlebnisse, Erfahrungen und Empfindungen von Jüdinnen und Juden (alltäglicher Antisemitismus) sowie um häufig gestellte „schwierige Fragen“ („Woher kommt der Antisemitismus?“, „Wie wichtig ist Israel für Juden – und warum?“, „Wo fängt Antisemitismus an?“ etc.). So nahm das Projekt aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus einer jüdischen Perspektive in den Blick – nämlich aus einem säkular-jüdischen Blickwinkel von Betroffenen antisemitischer Anfeindungen mit dem Fokus auf Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Gefahren für die auf die Menschenrechte gegründete freiheitliche Demokratie. Diese Perspektive impliziert auch, dass das Projekt Mitzpe* jüdischen Stimmen eine Plattform bot und Antisemitismus als ebenso spezifische wie alltägliche Diskriminierung von Jüdinnen und Juden sowie als Alltagsideologie, ideologische Prämisse und Deutungsmuster begreifbar machte, die auch andere Ressentiments im Zusammenhang des Syndroms Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit strukturieren. So legte das JFDA in der Berichterstattung Wert darauf, dass der Antisemitismus – also die politisch, sozial, rassistisch oder religiös grundierte Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden – einerseits als besonderes Diskriminierungsmuster benannt und erkennbar gemacht, andererseits aber auch im weiteren Kontext der – rassistischen, ethnozentriert-kulturalistischen und religionsbezogenen, aber auch sozialen, sexistischen, LSBTIQ-feindlichen usw. – Diskriminierung und Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit behandelt wird.

 

Das Projekt produzierte auf der Basis seiner fortlaufenden Feld- und Diskursbeobachtung sowie vertiefter Recherchen journalistische Beiträge, die in Form von Text, Bild bzw. Video, über YouTube, Facebook und den Web-Auftritt des JFDA publiziert wurden. Es bot damit seinen Zielgruppen Informationen und audiovisuelle Darstellungen an, die als Orientierungshilfen und Materialien für die Auseinandersetzung mit antisemitischen Narrativen, emotionalisierten und anonymen Online-Debatten sowie gefährlichem Halbwissen an, das zu Begriffen wie „die Rothschilds“, „die Illuminaten“, „BRD GmbH“, „Chemtrails“ oder „Holocaust-Industrie“ im Internet kursiert. Es veröffentlichte die Ergebnisse seiner Recherchen und Beobachtungen zum Thema „Erscheinungsformen von Antisemitismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Berlin, in Berliner Kiezen und Berliner Diskursen“ und leistete damit einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Debatte auf der Basis überprüfbarer Fakten, die durch ein intersubjektiv nachvollziehbares Forschen und Erkennen gewonnen wurden. Die Recherche des Projekts Mitzpe* – wie auch die der JFDA-Bildungsprojekte, die das Projekt Mitzpe* im Sinne der Gewinnung von Synergien für eine projektübergreifende Öffentlichkeitsarbeit koordinierte – war weniger quantitativ als vielmehr qualitativ ausgerichtet. Sie baute auf kein System zur Meldung und Registrierung von Fällen, sondern auf die eigene journalistische Recherche und direkt an das JFDA vermittelte Informationen auf, um Antisemitismus in seiner Verwobenheit mit anderen Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit als Alltagsphänomen und als Alltagsideologie in seinen jeweils aktuellen Erscheinungsformen nachvollziehbar zu machen. Die Rechercheergebnisse wurden sowohl fortlaufend zeitnah im Netz veröffentlicht als auch mehrmals (drei- bis viermal) im Jahr zusammengefasst und gesondert aufbereitet in einem gesonderten Format als PDF zum Download sowie über spezifische Verteiler den Zielgruppen des Projektes zugänglich gemacht.

Das Projekt „Mitzpe" wurde gefördert von:

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