MYTHOS 7

Antisemitismus geht heute vor allem von Muslimen und Araber:innen aus und wird durch Geflüchtete nach Deutschland gebracht.

“Man kann Israel nicht kritisieren, ohne als antisemitisch bezeichnet zu werden.” Diese Aussage hört man immer wieder, wenn es um den arabisch-israelischen bzw. den sogenannten Nahost-Konflikt geht. Doch ist das wirklich so? Ist jede Kritik an Israel automatisch antisemitisch? Gibt es ein Verbot Israel zu kritisieren?

 

Selbstverständlich ist nicht jede Kritik an der Politik Israels automatisch antisemitisch. Die Handlungen der israelischen Regierung, israelischer Politiker:innen oder des israelischen Militärs werden tagtäglich kritisiert, teilweise auch sehr scharf und polemisch, ohne dass dies als Antisemitismus bezeichnet werden würde. Eine solche Kritik ist Teil des politischen Diskurses.

 

Es gibt allerdings einen Wendepunkt, an dem Kritik an der Politik des jüdischen Staats zu Antisemitismus wird. Ab diesem Punkt sind vermeintlich kritische Aussagen über Israel nicht mehr legitim. Auch die Kritik an der Existenz des Staates Israel überhaupt kann als antisemitisch beschrieben werden.

 

Als erste Orientierung bei der Klärung der Frage, ob eine Aussage über Israel antisemitisch ist oder nicht, kann der sogenannte 3-D-Test dienen. Nach diesem sind Aussagen über Israel antisemitisch, wenn sie den jüdischen Staat dämonisieren, delegitimieren oder nach doppelten Standards bewerten. Werden israelische Politiker:innen also z.B. mit Stereotypen des modernen Antisemitismus charakterisiert, wird das Existenzrecht Israels abgelehnt oder wird Israel in der internationalen Politik wiederholt für Handlungen verurteilt, für die andere Staaten in ähnlichen Fällen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, kann man von antiisraelischem Antisemitismus sprechen.

 

Gibt es ein Tabu Israel zu kritisieren oder wird Kritik an Israel unterbunden? Auch das sind Mythen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Die Politik Israels wird tagtäglich kritisiert, in Israel selbst, in Deutschland und weltweit. Das beste Beispiel dafür ist die pluralistische israelische Öffentlichkeit. In dieser wird das Handeln der Regierung und einzelner Politiker:innen jeden Tag diskutiert, analysiert und teils scharf kritisiert. So wie es in anderen Ländern eben auch der Fall ist.

 

Und auch in Deutschland wird Israel so gut wie jeden Tag einer kritischen Berichterstattung unterzogen. In Hinblick auf seine Größe - der jüdische Staat ist gerade mal so groß wie das Bundesland Hessen - ist Israel in deutschen Medien sogar überdurchschnittlich häufig Thema kritischer Berichte.

 

Man kann Israel also für seine Politik kritisieren, ohne dass diese Kritik als antisemitisch bezeichnet wird. So etwas wie eine “Antisemitismus-Keule” gibt es nicht. Dabei kann es helfen, sich zu überlegen, ob man auch die Politik eines anderen Staates in der gleichen Weise kritisieren würde. Ist das nicht der Fall, sollte man dies selbstkritisch hinterfragen. 

 

Grundsätzlich gilt: Israel sollte für seine Handlungen beurteilt werden wie jeder andere Staat weltweit auch. Gleichzeitig ist Israel aber kein Staat wie jeder andere: Es ist der einzige jüdische Staat auf der Welt und gerade aus diesem Grund dient dieses kleine Land am Mittelmeer seit seiner Gründung als Projektionsfläche für judenfeindliche Ressentiments und zieht den Hass und die Verachtung von Antisemit:innen auf sich. Ihnen geht es nicht um Kritik, sondern um antijüdischen Hass, Gewalt und Vernichtung.